Teckel Geschichten

 

                                Rauhaardackel

Der Seppl in den Sechziger-Jahren

Von Peter Holzapfel

Nachdem der leicht verunglückte Schäferhund Barry, dessen eines Ohr nicht stand und den ich wegen seiner Sanftheit sehr mochte, leider in einer vollgelaufenen Baugrube ertrunken war, holte sich Großvater den Seppl.

Ein saufarbener Rauhhaarteckelrüde, ungestüm und ruppig. Als vielleicht zwölfjähriger Bub hatte ich durchaus Appell vor seiner wilden Zärtlichkeit. Die Großeltern wohnten in einer Wohnung mit herrschaftlichem Flur, an dessen Ende Seppl seine Höhle hatte. Läutete jemand, raste der Hund lautlos die gut acht Meter bis zum Türelement, knallte dagegen und bellte dann wütend.

Wie oft hab ich gehofft, die Füllung der Türe möge halten.

Mein Großvater und Seppl waren eins. Im heimischen Büro, (Großvater war Herausgeber einer kleinen Tageszeitung), beim gelegentlichen Frühschoppen und beim nachmittäglichen Spaziergang, im Sommer in den Garten.

Dabei ergab sich eine kleine Schwierigkeit: Seppl mochte keine Radfahrer. Stiegen sie nicht ab, mussten sie einen Schuh hergeben. Da half kein Ausweichen, kein Beschleunigen – Seppl holte sich einen Schuh. Den gab Großvater dann mit generöser Geste dem Unwissenden zurück.

Mit der Zeit sprach es sich herum, und die hohe, stattliche Gestalt meines Großvater war leicht zu erkennen und recht bekannt. Heute wäre das ein Fall für den Staatsanwalt, damals in der kleinen Stadt mussten eben Schäden beglichen werden und ab und zu half ein gutes Wort allzu großen Ärger zu vermeiden.

Als später mein Großvater den Seppl mit dem Auto auf Feldwegen ausführte, waren die Radfahrer ungefährdet, der Hund hatte mit Hinterherrennen genug zu tun. Großvater fuhr DKW, Zweitakter, mit elegant spitz zulaufendem Heck, und der Hund fuhr im Kofferraum mit.

Damit er nicht ersticke, wurde unter den Kofferraumdeckel ein schwarz-rot- kariertes Kissen gelegt.

Und dann gings ab: mit weiß-blau wehender Fahne aus dem Auspuff…

Der Seppl hat’s jedes Mal überlebt.